Brand X

(Forum)
USA 1970, R: Wynn Chamberlain, 87′

Das Beste kommt zum Schluss, zumindest bei Wynn Chamberlains „Brand X“ von 1970. Nachdem dieser bisher einzige Film des Künstlers in einigen Kinos und anschließend vereinzelt an Universitäten gezeigt wurde, verschwand er für ca. 40 Jahre in der Versenkung. Dass die Satire auf die Fernsehlandschaft in den USA zweitweise verboten war, wundert kaum bei all den absurden, vulgären, provokativen, aber auch politischen Inhalten. Ziemlich alles, was es in den 60ern im Fernsehen zu sehen gab wird in einer abgefahrenen Reihe von Parodien lächerlich gemacht. Von unreifen Talkshows für Mädchen über sinnlose Werbespots (u.a. für Schmutz und Essen) bis zu bescheuerten Spielshows ist alles dabei und wird schamlos durch den Kakao gezogen.
Taylor Mead, Darsteller in vielen Andy Warhol Filmen und Ikone der New Yorker Underground Kunst Szene, ist in den meisten Episoden zu sehen und ist damit irgendwie der Hauptdarsteller. Und er ist es auch, der für die witzigsten und durchgeknalltesten Momente sorgt, z.B. als US-Präsident bei einer Pressekonferenz oder eben am Ende des Films als Prediger. Dann beschreibt er, wie ein Telefonat zwischen Jesus – am Kreuz hängend – und Gott hätte aussehen können. Man kann diese Szene nicht beschreiben und mir fällt der genaue Wortlaut leider nicht mehr ein, deshalb versuche ich es erst gar nicht. Aber diese wenigen Minuten sind so genial und komisch, dass man sie direkt nochmal sehen will. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass Mead beim Dreh gesagt wurde, er könne machen, was er wolle und würde auch auf keinen Fall unterbrochen werden. Freier, uneingeschränkter Wahnsinn ist eben immer noch am besten.
Man sollte sich auf keinen Fall die Gelegenheit entgehen lassen, „Brand X“ zu sehen, falls man die Chance dazu hat. Und vielleicht gibt es auch irgendwann mal einen DVD Release, jetzt wo Chamberlain nach 40 Jahren wieder selbst eine Kopie seines Films besitzt. Auf jeden Fall ein Berlinale-Highlight, schon allein weil die Vorführung eine Ausnahme ist und weil der Regisseur mit seinen 84 Jahren anwesend war und man ihm stundenlang beim Anekdoten-Erzählen zuhören könnte.

Über Jennifer Ament

Studium: Medienwissenschaften || Lieblingsfilme: "Rebel Without a Cause" (Nicholas Ray, USA 1955), "Psycho" (Alfred Hitchcock, USA 1960), "Taxi Driver" (Martin Scorsese, USA 1976), "A Clockwork Orange" (Stanley Kubrick, UK/USA 1971), "The Shining" (Stanley Kubrick, UK/USA 1980), "Fear and Loathing in Las Vegas" (Terry Gilliam, USA 1998), "Fight Club" (David Fincher, USA/D 1999), "Donnie Darko" (Richard Kelly, USA 2001), "Oldboy" (Park Chan-wook, Südkorea 2003), "Tabu" (Miguel Gomes, P/D/BR/F 2012)
Dieser Beitrag wurde unter Festival veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Brand X

  1. Sam Chamberlain schreibt:

    Bitte entschuldigen Sie mein Deutsch – mit Google zu übersetzen, aber dankt euch für die Kommentare – sehr nett von Ihnen.

    Weitere Informationen zu Brand X finden Sie in http://www.brandxmovie.com und http://www.facebook.com/brandxmovie

    Nochmals vielen Dank

    Sam Chamberlain

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s