Another Year – another film?

Mit einer gewissen Vorfreude und Neugier geht man an einem Donnerstagabend ins Kino um sich mal wieder einen Film, abseits der Hollywood Blockbuster mit allerlei digitalen Effekten, anzusehen. Man richtet sich auf einen entspannten Abend ein und was bekommt man: einen Kinosaal, der mit gerade mal zehn Personen „gefüllt“ ist, wo man den Altersdurchschnitt erheblich senkt und einen Film, der wirklich sehr entspannend ist…so sehr, dass man der Einschlafgrenze gefährlich nahe kommt.

„[…] Mike Leigh [lässt] den Vorruhestand optimistische Funken schlagen und zeigt seine beiden Helden als Paradebeispiel für eine ganze Generation unternehmungslustiger und tatkräftiger Menschen in fortgeschrittenen Jahren.“ So heißt es in der Filmbeschreibung des Universum Filmtheaters in Braunschweig. Als „Helden“ kann man Tom (Jim Broadbent) und Gerri (Ruth Sheen) vielleicht wirklich beschreiben, denn sie sind das perfekte Paar um die 60 und immer für ihre Familie und Freunde da. Doch wo soll man die Unternehmenslust und die Tatkraft der Figuren erkennen? Bei Tom und Gerri spiegeln sie sich in ihrer Arbeit im Schrebergarten wider, doch bei ihren Freunden Mary (Lesley Manville) und Ken (Peter Wight) überwiegen Selbstmitleid und Unmotiviertheit. Sie lassen sich in jeglicher Hinsicht gehen, trinken und essen im Übermaß und suchen bei ihren Freunden Tom und Gerri Trost und Rat in Beziehungsdingen und bei der Gestaltung ihres öden Lebens. Überhaupt stehen hier die Probleme viel deutlicher im Fokus als das schöne Leben, was man als Mensch mit 60 haben könnte. Ein paar Lacher und fröhlich anklingende Szenen hat der Film wohl, doch die reißen es auch nicht heraus.
Was weiterhin besonders hervorsticht ist der liebenswerte Umgang der Figuren untereinander. Doch, wie sollte es anders sein, werden diese Szenen durch das ständige Erwähnen der Namen in den Dialogen zunichte gemacht. Es kommt einem so vor, als wenn die Angst herrschen würde, man könnte die Namen, der sehr überschaubaren Personen, im Laufe der guten zwei Stunden Filmlänge vergessen. Blödsinn und einfach nur nervig. Ähnlich wie die Musik. War es nicht immer die gleiche melancholische Melodie, die eingespielt wurde? Man hatte zumindest das Gefühl. Langweilig und einfallslos.

Ein Jahr kommt einem hier wie eine Ewigkeit vor und hätte von mir aus gut und gerne auch in eineinhalb Stunden erzählt werden können. Vielleicht sollte sich das nächste Mal doch die Minderheit der Redakteure bei der Filmwahl durchsetzen, so dass zumindest die Chance bestanden hätte mit „Des hommes et des dieux“ einen weitaus besseren Film zu sehen.

Über Anja Neumann

Studentin der Medienwissenschaften || Meine Filmfavoriten: "The Sting" (George Roy Hill), "Memento" (Christopher Nolan), "Sound of noise" (Ola Simonsson & Johannes Stjarne Nilsson), "Der Club der toten Dichter" (Peter Weir), "Wie ein einziger Tag" (Nick Cassavetes), "Das fünfte Element" (Luc Besson), Heinz Rühmann-Filme
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