Twelve – Wenn Geld allein nicht glücklich macht

Eine Gesellschaftsstudie über die Abgründe der Wohlstandskinder

Zur Story:

Der Regisseur Joel Schumacher zeigt in dem Jugenddrama Twelve das Leben der reichen und minderjährigen Kids der Upperclass von Manhattan. Sie sind schön, verwöhnt und besitzen alle materiellen Statussymbole. Geld regiert deren Welt, genauso wie Beliebtheit, Partys, Sex und Drogen. Ein Thema, dass man schon oft in Filmen und Serien verfolgen konnte. Schumacher bezieht sich dabei auf das gleichnamige Buch von Nick McDonell, worin der Autor seine eigene Drogenvergangenheit nierderschrieb.

„White Mike“ stellt den Protagonisten im Film dar. Er stammt ebenfalls aus der Oberschicht, was ihm allerdings nicht anzumerken ist. Im Gegensatz zu den verhätschelten Teenies wirkt er ruhig, nachdenklich und verzichtet auf ein luxuriöses Leben. Ausschlaggebend dafür ist der Tod seiner Mutter. Seitdem verläuft sein Leben in ungeordneten Bahnen. Immer wieder flüchtet er sich in eine Traumwelt, in der er die Erlebnisse seiner Vergangenheit verarbeitet. Zudem hat Mike kurzerhand die Schule geschmissen und vertickt nun Gras an seinen ehemaligen Mitschülern. Trotz seines unmoralischen Jobs gilt er dennoch als Sympathieträger des Films. Er selbst nimmt weder Alkohol noch andere Drogen zu sich. Das Dealen mit der neuen Party-Droge „Twelve“ lehnt er strikt ab. Denn die Droge birgt eine härtere Wirkung als Koks und Extasy zusammen und gilt somit als sehr gefährlich. Ein Mix aus Abhängigkeit, Gewalt und sogar Mord durchzieht den Alltag der Teenager. Doch die Schuld ist nicht bei der Droge Twelve zu suchen. Die Gründe liegen viel tiefer in den Seelen der Filmfiguren.

Kritik:

Was gleich als erstes beim Sehen des Films auffällt, ist die Stimme aus dem Off. Sie stellt uns die Charaktere und deren persönlichen Geschichten vor. Die vom Sprecher zitierten Stellen aus dem Buch verleihen dem Film dabei einen besonderen Charme. Die Stimme fügt sich an den richtigen Stellen im Film ein und rundet den Erzählplot ab.

Bei der Inszenierung der Charaktere und der Dialoge bedient sich Schumacher den uns bekannten Klischees. So gibt es den geborenen Verlierer mit Pickeln, der sich nichts sehnlichster wünscht, als endlich entjungfert zu werden. Ebenso kommt die Rolle des gefährlichen Dealers alias 50 Cent daher, der in seinem Job über Leichen geht. Und dann wäre da noch das liebe und nette Mädchen Molly, in das sich Mike verliebt und daher gezwungen ist, sein Leben noch mal neu zu überdenken. Allerdings ist auf die ironische Note des Regisseurs hinzuweisen.

Der Film zielt auf die Gesellschaftsproblematik von verlorenen Oberschichten-Teenager ab, die den Rausch suchen, um dem öden Alltag zu entfliehen. Ein gesichertes Leben ist ihnen nicht genug, sie suchen die Dramatik in ihrem Leben. Anfangs scheint der Film nicht wirklich tiefgründig in die Thematik einzusteigen, da zunächst nur an der Oberfläche der Figuren gekratzt wird. Mitleid für die Charaktere zu entwickeln ist nur schwer. Doch mit weiterem Handlungsverlauf fügen sich die einzelnen Erzählstränge zusammen und leiten die Tragödie und damit auch den Höhepunkt des Films ein. Das Ende ist für den Zuschauer nicht vorherzusehen und geht zweifellos unter die Haut. Twelve bietet dem Zuschauer keine neuen Einsichten, ist aber aufgrund der schauspielerischen Leistung und besonderen Inszenierung absolut lohnend anzuschauen.

Über Christin Ferch

Studentin der Medienwissenschaften (Braunschweig) /// Film-Favoriten: Die Reifeprüfung (1967); Zurück in die Zukunft (1985-90); No Country for Old Men (2007); Crazy Heart (2009), Scott Pilgrim vs. the World (2010)
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