Veronika beschließt zu sterben – und findet ins Leben zurück

Der Film überzeugt durch großartige Bilder und gute Schauspieler

Zur Story:

Erzählt wird die Geschichte einer verzweifelten Frau namens Veronika, die der Monotonie ihres Lebens entkommen will. Die New-Yorkerin lebt ein von ihren Eltern auferlegtes Leben. Brav hat sie ein BWL-Studium absolviert, anstatt ihrer Leidenschaft für Musik nachzugehen. Dies hat ihr die Arbeit in einer gehobenen Position an der Wall Street ermöglicht. Zudem ist sie hübsch, beliebt, hat Freunde und die Aussicht auf ein geregeltes Eheleben. Doch was nutzt einem das gesellschaftliche Idealbild zu leben, wenn man es nicht selbst steuern kann? Und gilt man denn automatisch als verrückt, wenn man den Sinn im Leben aus den Augen verliert? Ja. Die Ärzte erklären ihr, sie würde unter Depressionen leiden und müsse Medikamente nehmen.

Kurz nach Beginn des Films versucht sich die Protagonisten mithilfe von Tabletten umzubringen. Doch anstatt dem Leben zu entrinnen, erwacht sie in einer privaten psychiatrischen Klinik. Der verwirrten Veronika wird mitgeteilt, sie habe nur noch wenige Wochen zu leben. Ihre letzten Tage soll sie also nun in einer Nervenheilanstalt mit kranken Menschen verbringen. Tolle Aussichten, denn Veronika zählt sich nicht dazu. Sie will doch einfach nur sterben!

Nachdem Veronika bei ihrem zweiten Selbstmordversuch gehindert wurde, taut die junge Frau in ihrem Kampf um Selbstbestimmtheit langsam auf. Grund dafür ist der geheimnisvolle und stille Edward. Er leidet an Autismus und spricht seit einer Ewigkeit nicht mehr. Doch auch ohne Worte kommen sich die beiden näher und für Veronika erschließt sich eine neue Perspektive des Lebens.

Kritik:

Trotz der sentimentalen und dramatischen Erzählweise ist es für den Zuschauer schwierig sich den Charakteren zu nähern, geschweige denn sich mit ihnen zu identifizieren. Die Figuren sind in ihrer Persönlichkeit nur oberflächlich dargestellt und wirken daher eindimensional, was man den Schauspielern allerdings nicht zum Vorwurf machen kann. Sarah Michelle Gellar fügt sich gut in ihrer Charakterrolle ein. Auch die anderen Figuren sind souverän verkörpert. Jedoch wird der Zuschauer beim Gucken des Films immer das Gefühl haben, die Geschichte müsste viel länger gehen. Tatsächlich wurde die Story gekürzt, da diese auf der gleichnamigen Romanvorlage von Paulo Coelho basiert. Die Regisseurin Emily Young hat die Romanerzählung neu interpretiert und sich nur auf bestimmte Aspekte konzentriert. Im Buch von Coelho tauchen mehrere Figuren mit persönlichen Geschichten auf, was innerhalb eines Films sehr langatmig werden kann. Zur Folge hat nun im Film selbst die viel zu schnelle Entwicklung der Figuren innerhalb des Erzählstrangs, als dass die Charaktere authentisch wirken können. Die Liebe zwischen Edward und Veronika ist schön mit anzusehen, aber leider aufgrund der kurzen Zeit nicht wirklich realistisch. Der Sinneswandel einer unglücklichen Frau, die dann ausgelöst durch eine neue Liebe direkt wieder zurück ins Leben findet, ist zwangsläufig zu stark gerafft.

Obwohl die Story und die Charaktere nicht ganz ausgereift sind, lohnt es sich allemal den Film anzuschauen. Der Film beeindruckt besonders durch die filmische Inszenierung. Die Szenenbilder sind sehr ausdrucksstark aufgrund der Farbgestaltung und aufgrund des Spiels mit Licht und Schatten. Wie man es schon aus Godards Filmen kennt, wird bei der Farbauswahl nichts dem Zufall überlassen und auf eine eigene Symbolik gesetzt. Die Farben Blau, Grün und Rot zieren abwechselnd die Innen- und Außenräume, in denen sich Veronika bewegt. Sie bleiben dem Zuschauer definitiv in Erinnerung.

Der Film erfüllt letztendlich sein Ziel und regt zum Nachdenken an. Die Thematik, die Coelho in erster Linie in seinem Roman anspricht, ist die Frage nach Normalität. Sind Menschen, die als geisteskrank gelten, wirklich anormal? Sind denn nicht eher die Menschen da draußen die eigentlich Verrückten? Dem schließt sich die Frage nach dem gesellschaftlichen Zwang und der Unterordnung an. Der Film wird nicht mit Dialogen totgesprochen, sondern birgt viele stille Momente. Und genau das macht den Film sehenswert.

Über Christin Ferch

Studentin der Medienwissenschaften (Braunschweig) /// Film-Favoriten: Die Reifeprüfung (1967); Zurück in die Zukunft (1985-90); No Country for Old Men (2007); Crazy Heart (2009), Scott Pilgrim vs. the World (2010)
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